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Malariaattacke!!!

Ein groteskes Trauerspiel in vier Akten (mit laechelndem Ausgang:-)

Ausganssituation: Gestern war ich der festen Ueberzeugung, bzw. haben mich diverse Meinungen davon ueberzeugt, dass ich Malaria haben koennte!!
Am Abend zuvor hatte ich von der einen zur naechsten Minute einen echten Totalausfall: rasende Kopfschmerzen, Gliederschmerzen von der Haarspitze bis zum kleinen Zeh und Frieren und Schwitzen im Wechsel. Shit happens… Ich hab mich ins Bett gelegt und verzweifelt auf den Moment gewartet, zu dem es wieder besser wird. Allerdings wurde nix besser. Ich war allerdings auch unfaehig meinen Muskeln irgend einen Befehl zur Bewegung zu geben. So lag ich da wie ein Kaeferchen auf dem Ruecken, bis gluecklicherweise irgendwann eine nette Mitbewohnerin meiner Huette kam und mir ein Tablettchen Ibuprofen einfloeste. Daraufhin fiel ich in seeligen Schlaf und am naechsten Tag war ich immerhin soweit hergestellt, dass ich mich wieder bewegen konnte. Fit ist allerdings was anderes…
Nach Einholung diverser Meinungen, was dies wohl gewesen sein koennte (von einheimischer, ueber Leihen- bis hin zu medizinstudentischer Meinung), kamen wir zu dem Ergebnis, dass es alle Anzeichen von Malaria seien!! (Ich erinnere mich da an div. Psychiatrievorlesungen, an deren Ende auch regelmaessig die Erkenntnis stand, dass wir eindeutige Anzeichen div. Erkrankungen mitbrachten;-) Ich also Kofferchen gepackt und ab ins Health Centre, das sich gluecklicherweise gerade die Strasse runter befindet.
Und hier begann das eigentliche Schauspiel:
1.Akt: Mittlerweile fuehlte ich mich wieder richtig schlecht – schliesslich hatte ich akuten Verdacht auf Malaria!!!!! Aber erstmal musste ich bei der Wache am Eingang meinen Namen niederschreiben und erklaeren, warum ich da sei… “Malaria!!! Ich muss dringend zu nem Doktor” “Doktor??? Ist heute keiner da” Na klasse, irgendwer wird schon diesen Schnelltest machen koennen…
2. Akt: Die naechste Station war eine Art Rezeption, wo ein Mann saemtliche meiner Daten aufgenommen hat und schliesslich eine Nummer auf einen Pappkarton geschrieben hat, den ich nun immer mitbringen muss, wenn ich wiederkomme. Dies ist naemlich meine Aktennummer (ich glaube schon einmal erwaehnt zu haben, dass Afrikaner sehr buerokratieliebend sind;-) Das Tempo, das der gute an den Tag legte, haette mich echt umbringen koennen, haette ich tatsaechlich Malaria gehabt…
3. Akt: Nach kurzem Warten rief mich eine maennliche Krankenschwester in ein kleines Kabuff, um meinen Blutdruck zu messen und mich zu wiegen. Vor der Prozedur fragte er mich, weshalb ich denn da sei. Kaum hatte ich den Mund geoeffnet, schrie er auch schon lautstark nach draussen (Unterhaltung nennt man das in Afrika) und machte erst mal ein paar Spaesse mit einer anderen vorueberziehenden Krankenschwester. Waehrend ich endlich meine Leiden schildern konnte, grinste mich der Typ in einer Tour an, ich kam mir nicht sehr ernst genommen vor! Er erzaehlte mir dann auch noch, dass Malaria in Phalabora sehr weit verbreitet sei und man mich unverzueglich ins Hospital bringen muesse, wenn man mich positiv teste. Ob dies nun aber der Wahrheit entspricht, konnte ich seiner Gesichtsmimik nicht entlocken, schien mir aber heillos uebertrieben. Waehrend er meine Akte durchlass, stellte er fest, dass ich ja grade ums Eck wohne. Das sei doch eine gute Gelegenheit sich mal zu treffen, meinte er. HALLO ICH HABE MALARIA, STERBE WAHRSCHEINLICH INNERHALB DER NAECHSTEN STUNDE DARAN!!!! Und dem Typ faellt nix besseres ein, als mich beim Blutdruckmessen (den er niemals gemessen und aufgeschrieben hat, weil er sich unmoeglich auf Sprechen und Zaehlen gleichzeitig konzentrieren kann!) anzumachen. Meine Antwort war dann auch entsprechend: “Ich kann momentan nur an dieses Ergebnis denken, und sicherlich an keine Verabredungen” Nach dem Wiegen (die Waage war auch so falsch wie sonst was!! Stand schon vorher auf 2 Kilo und im Gesamtergebnis hab ich nieeeemals 5 Kilo in den letzten 5 Wochen zugenommen, dazu passen mir meine Klamotten viel zu gut! Soviel zum regelmaessigen Wiegen von Kindern in Krankenhaeusern Afrikas zur Vorsorge und Kontrolle, dass ich nicht lache), jedenfalls fragte der Typ nach dem Wiegen schon wieder nach einem Treffen und ob er denn nun endlich mal eine Antwort von mir erhalten koennte. “Mein Freund aus Deutschland kommt in 2 Tagen, ist das eine Antwort?” Und was sagt der gute Mann daraufhin?! “Oh, dann muessen wir uns aber noch zuvor treffen! Wann hast Du denn Zeit?” HAT MAN DA NOCH WORTE???
4.Akt: Ich hab mich daraufhin jedenfalls aus dem Staub gemacht und die Bitte ignoriert, doch nach dem Test nur fuer 5 Minuten nochmal in seinem Kabuff vorbei zu schauen. Die naechste Krankenschwester erwartete mich bereits ein paar Tueren weiter. Immerhin sah ich, dass sie frisch eine Kanuele auspackte. So weit, so gut…die flog daraufhin allerdings auf die blutverschmierte und sonstwie versiffte Liege (gluecklicherweise ueberlebt HIV nicht an der Luft…), dann trug sie das Desinfektionslaeppchen noch ne ½ Stunde durch die Gegend, bis wahrscheinlich saemtliches Desinfektionsmittel verdampft war und dann nahm sie mir endlich mal Blut ab! Ergebnis: Herzlichen Glueckwunsch, sie haben keine Malaria!!! Na wer sagts denn:-)) Aber was koennte es dann sein?? Das wisse sie nun auch nicht, aber ich koennte gerne zwei Tueren weiter gehen, die koennten mir vielleicht weiter helfen. Ich habe dankend abgelehnt. Bei der Ernsthaftigkeit, mit der Medizin hier betrieben wird, kann ich dann auch zur Selbstmedikation uebergehen, hauptsache keine Malaria.

Liebste Gruesse
Eure Steffi
22.11.06 14:12
 


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