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kleines Gschmaeckle der afrikanischen Kultur

Hallo Ihr Lieben!
Eigentich wollte ich anders beginnen, aber leider hat mich heute nach einem wunderschoenen sonnigen und sportiven Jogging- und Schwimmstart die Realitaet Afrikas eingeholt: Joyce ist gestorben. Mitte 30, eine Tochter, ein Enkelkind. In Deutschland und Europa sterben die Menschen an Krebs und Herzinfakt, in Afrika an AIDS. Es ist die hiesige Realitaet, aber in der Haeufigkeit, in der es geschieht, sehr grausam. Das Ganze nimmt dann auch sehr groteske Formen an: Da kommt das Bestattungsunternehmen angefahren, nimmt die Frau jedoch nicht mit bevor geklaert ist, wer die Bestattungskosten uebernimmt. Die Familie hat im Voraus alle Gelder, die es fuer Aidskranke vom Staat gibt, verbraten. Sie liessen die Frau dahinsiechen und haben das Geld fuer Medikamente lieber am Monatsanfang versoffen. Deshalb kam die Frau ins Shelter, aber mit einem HB von 5 ist die Sache dann eben auch ziemlich schnell beendet. Netterweise gibt es in Afrika eine Sterbeversicherung, die schlussendlich auch die Kosten uebernommen hat(inkl. Leichenschmaus nach der Beerdigung), weswegen die Leiche dann auch irgendwann abtransportiert werden konnte. Und nun beginnen die Reinungs- und Verbrennungsrituale der Afrikaner… Unsre Koechin Stefanie sagt zu allen Schrecklichkeiten dieses Landes und Lebens: “God has the answer of all our questions” und es kommt mir so vor, als wuerden die Afrikaner darueber hinaus wenig machen, zumindest die traditionell lebenden hier in Lulekani, die nehmen das Schicksal so hin und sitzen die Probleme aus, Gott wirds evtl. schon richten. Wenn das die Erkenntnis aus der Missionierung ist, dann hat die Kirche hier verdammt was falsch gemacht!

Kompletter Themenwechsel: Meine eigene Erkenntnis des Wochenendes war eigentlich, dass ich den ploetzlichen Flash hatte, hier endlich angekommen zu sein! Und seit dem kann ich urploetzlich die, nennen wir es netterweise, Gemuetlichkeit der Menschen und das Nichtstun recht gut ertragen. Weiterhin gehe ich allmorgendlich bei 27 Grad Lufttemperatur um 6 Uhr joggen und vergnuege mich danach im Swimmingpool – so viel Europa muss sein. Und ich bin durchaus recht gut ausgefuellt mit Unterricht, Buerodienst, Oeffentlichkeitsarbeit, neudings uebernehme ich die Buchhaltung des Shelters und Teile des Tourismusprojekts, in dem wir versuchen, im Shelter und einer befreundeten Naeherei produzierte Dinge an den Touri zu kriegen, um Gelder fuer LekaGape locker zu machen. Aber auch wenn sich das jetzt nach viiel Arbeit anhoert… wie gesagt, in Afrika mahlen die Muehlen ueberaus langsam und so mache auch ich mir mit der Sache keinen Stress. Hier gelten die Motti: “komm ich heut nicht, komm ich vielleicht evtl., wenn’s klappt und ich grade Lust und Zeit dazu habe und noch ins Minitaxi passe morgen:-)” (alles natuerlich immer mit einem unbestechlichen Laecheln auf den Lippen und um keine Ausrede verlegen *das kann ich blendend*) und Motto Nr.2 “ Was nicht passt, wird passend gemacht!” Dies gilt v.a. fuer die Buchhaltung) Die muss zwar auch an den Weltfriedensdienst, aber es gibt keinerlei Angaben ueber den Kassenstand, dann kann man auch nicht pruefen, ob das Ding stimmt, lediglich ausgehaendigtes Geld und Belege muessen uebereinstimmen:-) Ist das keine dufte Sache?! Da schlaegt zwar jeder Buchhalter, der seine Arbeit auch nur ansatzweise ernst nimmt ,die Haende ueber dem Kopf zusammen, aber das ist Afrika! (An dieser Stelle ganz liebe Gruesse an Daniela:-))
Hier in Afrika gelten echt ganz eigene Regeln und ich kann das, was ich hier erlebe, mit nichts vergleichen, was ich kenne. Es ist ein ganz anderes Leben und das sage ich allein schon mit dem kleinen Einblick, den ich bisher habe. Aber diese Kultur laesst sich nicht mit europaeischen Augen verstehen. Es gibt da den schoenen indianischen Spruch, dass man jemanden nur verstehen kann, wenn man einen Tag in seinen Schuhen unterwegs war. Und so sehe ich das auch hier. Du musst alles, was du weisst erst mal zu Hause lassen und mit afrikanischen Augen betrachten… Nicht dass mir das bisher gelungen waere, aber dazu braucht es auch sicherlich viel mehr Zeit als ich hier habe. Und so spannend ich das hier alles finde, ich moechte nicht so lange bleiben, dass ich das wirklich herausfinden koennte. Also bin ich ein bisschen Urlauber, ein bisschen Zuschauer und ein bisschen Teilnehmer des afrikanischen Spektakels und wundere mich ueber afrikanische Eigenheiten und die Afrikaner wundern sich weiterhin zahlreich ueber uns Molungus.
Ein kleines Gschmaekle:
1) Afrikaner, haben eine groessere Buerokratie als die Deutschen, wer haette das gedacht!!! Einziges Problem: fuer jeden gilt ne andere Buerokratie, und “schmierigen” Typen flutschen recht leicht durchs System und erreichen, was sie wollen.
2) Irgendwelche Auskuenfte erhaelst Du nur, wenn Du einen auf “big business” machst und immer was groesseres raushaengen laesst, als du bist. Unglaublich gut fuers Selbstbewusstsein Jeder Vogel, der irgendwas arbeitet, ist hier sofort ein Manager!! Wichtig, wichtig!! – hierbei ist unser neuer Manager lobend zu erwaehnen!! Das halbe Hemd (ehemaliger Fliegengewichtboxmeister Sued Afrikas), das sich bisher Manager von Basambilu genannt hat, wird seit neustem von einem neuen Peter-Manager gejoint. und das ist ne echt dufte Sachen, weil hier naemlich seitdem Europa, sprich Konkurrenz, Einzug haelt. Weil Peter ein echtes Schafferle ist und er Dinge ploetzlich moeglich macht, die vorher unmoeglich erschienen, kommt der gute Blessing echt unter Leistungsdruck und ploetzlich wird aus dem Backpacker Basambilu gaaaaanz allmaehlich ein Urlaubsoertlein mit Charme und Sicherheit (siehe beispielsweise die Gitter an unseren Huettenfenstern:-)
3) Eine sehr effektive Sache ist das hiesige Reinigunssystem;-) Wie reinige ich einen Boden, der nicht zu reinigen ist? Sprich, es gibt hier nur wenige geteerte Strassen, der Rest ist festgestampfter Dreck und Staub. Dennoch kehrt ein Afrikaner in guter schwaebischer Manier taeglich seinen Boden um die Huette mit einem tollen Reisigbesen, i.d.R. handelt es sich dabei jedoch eher um die Aufwirbelung von Staub…
4) Der deutsche Arbeitsminister sollte sich ein Beispiel an afrikanischer Besschaeftigungspolitik nehmen:-) Eigentlich duerfte es keine Arbeitslosen geben, so viele Menschen wie hier fuer alles Moegliche eingestellt sind. Z.B. gibt es da den Menschen am Supermarktausgang (bis zum heutigen Tag ist mir die Sinnhaftigkeit seiner Existenz ein Raetsel…). Er schaut beim Hinausgehen auf den Kassenzettel und setzt seinen Sevus drunter. “Warum denn eigentlich?” fragte ich beim letzten Einkauf und erhielt die ueberaus logische Antwort, dass er dazu da sei, die Uhrzeit auf dem Kassenzettel zu pruefen. Aaaah!!!! Wenn er dann auch noch pruefen wuerde, ob ich was geklaut haette, wuerde das ja irgendeinen Sinn machen, aber so??? Genauso sind am Ein- und Ausgang des Krankenhauses mind. 5 Securities angestellt, die die Taschen zu kontrollieren haben. Das machen sie auch irgendwie. Allerdings faellt ihnen dann auch nicht auf, dass ich ne Kamera dabei hab, was in oeffentlichen Gebaeuden verboten ist (was ich natuerlich erst hinterher erfahren habe;-), obwohl das teure Stueck oben auf liegt… Da die 10 Putzfrauen, die in Basambilu angestellt sind, (es gleichzeitig aber immer dreckig ist) einfach zu wenig zu tun haben, wird jetzt zwei mal pro Woche unser Bettbezug gewechselt (so hauefig passierte das nicht im letzten Jahr…) Nun gut, man koennte hier auch ne Effektivitaet der Arbeit einfuehren, aber dann haetten die guten Menschen ja niemanden mehr zum Palavern… Und der Afrikaner ist sehr kommunikativ. Wahrscheinlich wuerde es ihm das Herz brechen…
5) Eine ganz tolle Sache finde ich auch das “Desaster Management Center Phalaborwa” schraeg bei uns gegenueber. Da die Tueren eigentlich meistens geschlossen sind, kann das mit Afrika eigentlich alles nur halb so dramatisch sein;-)
Ich weiss, dass sich diese Beschreibung liesst wie jene, dass Bayern nur Weisswurst essen, aber an jeder Verallgemeinerung ist ja bekanntlich ein wahrer Funken…

In diesem Sinne…
Liebe Gruesse in die Heimat
Eure mehr und mehr relaxte Steffi:-))
15.11.06 16:33
 


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