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News vom heissen Teil der Erde

Halloechen!! Hier kommen mal wieder die neusten Neuigkeiten aus Lulekani!!

Fuer alle, die zu Hause frieren: ICH BENEIDE EUCH!!! Die Hitze wird hier langsam echt unertraeglich! Ich habs ja gerne warm. Ich habs auch gerne sehr warm. Aber das hier habe ich noch nicht erlebt!!!!! Dagegen war der Sommer in Deutschland zu WM-Zeiten ein echter Kindergeburtstag!!! Am Tag hat es im Schnitt 38 Grad. Und ich weiss nicht, ob ichs schon gesagt habe: es ist Fruehling! Das heisst, dies sind keine Spitzenwerte!!! Wir gehen mittlerweile schon um 6 Uhr joggen, weil alles andere nicht mehr moeglich ist, ohne dass einem die Fusssohlen rauchen. Nachts kuehlt es immerhin auf ca. 25 Grad runter, aber zum Schlafen sind das keine angenehmen Temperaturen. Also gehe ich taeglich ca. 3 Mal Duschen und ein Mal in den Pool, was lediglich bedeutet, dass Dir diese 4 Mal am Tag und auch nur fuer diese Zeit, in der du dich im Pool oder unter der Dusche befindest, statt Schweiss Wasser den Koerper hinunterlaeuft… Okay, wir wollen das nicht vertiefen. Ich moechte auch keine mikrobiologische Untersuchung meiner Haut nach diesem Abenteuer, die wird naemlich echt uebel aussehen. Und das obwohl ich sie taeglich mit vielen Schichten bearbeite Waeren da: Bodylotion (die auf der Stelle von meinem ausgedoerrten Koerper aufgesogen wird), nach kurzer Zeit ne Schicht Sonnencreme drueber, regelmaessig schoen viel Staub (der selbst dann noch hartnaeckig ueberall hineinkriecht und haengenbleibt, wenn man versucht das ganze abzuwaschen) und am Abend kommt dann noch ne schoene Dosis Antimoskito-Stinke-Lotion drauf.
Apropos Moskitos: Noch sind mir keine begegnet, aber gestern hats hier geregnet!! Bestimmt 5 Minuten lang richtig schoen geschuettet!! Und ihr koennt Euch nicht vorstellen, wie sehr wir uns gefreut haben (ich denke nicht, dass ich diese Meinung mit nach Deutshcland nehmen werde! Regen bedeutet hier echt was. Allerdings werden mit dem Regen auch die Moskitos kommen. Deshalb gilt wohl ab sofort besondere Aufmerksamkeit und noch mehr Stinke-Lotion oder wahlweise lange Kleidung, aber das stechen sie auch haeufig durch…

Arbeitstechnisch wird es langsam echt spannend: Zum Einen fuehle ich mich als Lehrerin einer mich nur schwer verstehenden Horde suesser Vorschulkinder sehr wohl. Und zum Anderen beginnen wir mit den Vorbereitungen fuer die Aktionstage “16 days against violence against women and children”. Dies sind international stattfindende Aktionstage, die ueber die Gewalt gegen Frauen und Kinder aufklaeren soll und wir wollen einige Aktionen hier in Lulekani taetigen. Ich bin fuer die Oeffentlichkeitsarbeit zustaendig, sprich Flyer erstellen, Plakate designen, ein neues Logo fuer LekaGape kreieren, das wir dann auch direkt als grosses Schild vor der Organisation aufstellen, T-Shirts drucken etc.
Also die Zeit am Pool ist vorbei… jetzt gehts ran an die Arbeit
Bei dieser Hitze ist das allerdings nicht ganz so easy. Denn an manchen Tagen kann man hier echt nur rumsitzen und warten oder schlafen, der Koerper ist zu nix anderem faehig. Da wundere ich mich echt nur noch bedingt ueber die Arbeitsmoral in den afrikanischen Laendern… Hier sieht man dann auch um die Mittagszeit einige Menschen, die einfach unter den Baeumen liegen und schlafen. Gerne auch im Rudel beieinander, denn hier tut man wenig allein. Ich glaub sowas wie Privatsphaere existiert hier nicht. Einige europaeische Errungenschaften existieren hier nicht. Z.B. Freizeit. Hier arbeitet man den ganzen Tag, schlaeft, kuemmert sich wahlweise noch um Familie, Mann, Kinder und steht am naechsten Tag wieder auf, um zu arbeiten. An dem einen Tag, den man wenn man Glueck hat, frei hat, arbeitet man zu Hause weiter. Maenner verbringen die Zeit durchaus auch mit Besaeufnissen und das sehr hauefig. Wenn man dies als Freizeitbeschaeftigung betiteln moechte, dann haben immerhin Maenner in Suedafrika Freizeit. Die Leute stehen auch immer da und schauen als kaemen wir von nem anderen Stern, wenn wir joggen gehen. Die haben so viel koerperliche Betaetigung bei der taeglichen Arbeit und ausserdem sollte man sich bei diesen Temperaturen nicht schneller als 2-3 km/h bewegen!! Die Kinder lachen sich immer tot ueber die Molungos (das sind wir weissen), haben aber einen riesen Spass uns zu joinen “Hello! How are you? Can we join you? Hihihihi!!!” Und so joggen wir dann immer mit einer fliessend wechselnden Horde lachender Kinder durch Lulekani.

Euch ganz liebe Gruesse nach Hause und geniesst die Kaelte
Eure Steffi
1.11.06 13:39


Von kulturellen Eigenheiten und andere Geschichten

Ein grosses Hallo an Alle!
Natuerlich ging mal weider, kaum hatte ich meinen Onlineeintrag geschrieben, das Internet nicht mehr(( Deshalb erhaltet Ihr alle Infos des Wochenendes einen Tag verspaetet. Zum heutigen Tag waere noch zu berichten, dass es mittlerweile so was von kalt geworden ist, dass ich saemtliche meiner verfuegbaren langen Klamotten trage. Gestern war ein richtiger Sturm und wir sassen vom Winde verweht in unserer Freiluftkueche, in dicke Decken einegwickelt. Andrew, unser Barmann hat sich sehr ueber uns beklagt. er meinte, nun haette er extra fuer uns zu Gott gebetet, dass es kalt werde, weil wir uns ja immer beschwerten "to hot, to hot, to hot" und nun seien wir wieder nicht zufrieden... Aber es kann doch irgendwie nicht sein, dass es kein Mittel zwischen abartiger Hitze und Schweinekaelte gibt!! Das kommt wahrscheinlich davon, dass sich hier in Afrika saemtliche sich dazu berufen fuehlende Menschen (siehe die Rainqueen) ins Wetter einmischen und dann kommt das bei rum
aber nun will ich Euch nicht mehr laenger die neusten News vorenthalten! Viel Spass beim Lesen...
Heute ist es richtig gehend kalt Gestern hats laengere Zeit geregnet – heisst nun aber wohl auch, dass bald der Moskitoalarm beginnt. Und diese Kuehle von ca. 25 Grad ist einfach nur toll! Ich musste heute Nacht sogar meinen Schlafsack rausholen, weil ich leicht froestelte. Und die Nachricht, dass es in Deutschland so kalt ist, z.T. sogar schneit, liegt so ausserhalb meines Vorstellungsvermoegens… Oh, oh, kaum schreibe ich diese Zeilen schiebt sich auch schon die Sonne durch die Wolkenfront… ich hoffe, die bleibt noch bis zum Untergang, wo sie sich die letzten beiden Tage versteckt hatte. In den letzten Tagen war die Hitze naemlich so unertraeglich, dass ich nicht mal mehr schlafen konnte und ich werde verdammt unleidig, wenn ich nicht schlafen kann!!!
Heute moechte ich Euch mal wieder von meinen neuesten Erfahrungen mit der hiesigen Kultur berichten. So langsam entwickelt sich aus meinem gefuehlten Urlaub das Bewusstsein, dass das hier wohl alles ein bisschen laenger als ein Urlaub dauert. Und so wird auch aus mancher Sympathie fuer die hiesigen Gepflogenheiten eine gewisse Gereiztheit… Ich erwaehnte wohl schon, dass die Afrikaner nicht gerade die schnellsten sind. Gleichzeitig gebietet die Gastfreundschaft hier aber, dass man unglaublich freundlich ist und so entschuldigen sich die Afrikaner in unglaublicher Charmantheit fuer dauerhafte Desorganisation und Unpuenktlichkeit… Man darf das alles nicht mit europaeischen Augen sehen, aber es nervt mit der Zeit einfach !!!
Positive Beispiele: Unser PC ist wieder da, yippiii, eigentlich auch nur eine Woche verspaetet, aber auch nur weil Petra mit Strafgeld fuer jeden Tag gedroht hat, an dem das Ding fehlt! Und… wir haben doch glatt innerhalb kuerzester Zeit Gitter an unsere Fenster bekommen, auf dass zukuenftig alle Einbrecher draussen bleiben muessen. Unserem Wachmann wurde das Gehalt gekuerzt und er wurde dazu verdammt, dort zu sitzen oder rum zu laufen, wo er hingehoert! Zumindest am Wochenende, wenn Hochsaison an der Bar ist. Nun zieht er allabendlich ne Fluppe, weil er sich beim Arbeiten nicht mehr vergnuegen kann, aber das ist schliesslich sein Job. Dafuer bedient er sich nun ungefragt aus unserem Kuehlschrank…
Dienstleistung heisst hier auch, dass unser Koch uns vor dem Essen immer ne Ansprache haelt:-)) Das wuerde ich schon mal fuer zu Hause vorbestellen, denn das ist echt toll!!! Da erfaehrt man dann, welch pleasure es ist, fuer einen zu kochen, wie schon das Leben ist, wenn der Koch einem sieht und dass der Tag nun nur noch gut werden koenne! Und es ist natuerlich auch eine Freude fuer ihn, uns all das kochen zu duerfen, was wir wollen und zu jeder beliebigen Uhrzeit, die man sich wuensche!!
Hoert sich verdammt gut an, ABER dann kommt der afrikanische Teil der Veranstaltung: Waehrend Du unbedingt zu ner bestimmten Uhrzeit essen musst, weil es durchaus mal vorkommt, dass man gewisse Termine hat, palavert unsere Koechin mit grosser Freude mit den Putzfrauen und es gibt natuerlich gar nuescht, wenn man sich an den Tisch setzt und unter Zeitdruck ist. Und erklaer mal den Kunden, die ins Office kommen wollen, dass Du ne halbe Stunde zu spaet bist, weil das Essen nicht fertig war, ha, ha…
Falls die vielgeliebte Variante des Honig um den Bart schmierens nicht mehr zieht, wird wahlweise die Jammertour der elend langen Arbeitszeiten ausgegraben. Die Menschen hier haben es echt schwer, aber wie wir beispielsweise herausgefunden haben, ist dies auch z. T. hausgemacht. Eigentlich gibt es hier ein ganz klares Schichtarbeitssystem. Nur haelt sich niemand dran. Die sind dann lieber alle gleichzeitig da fuer den Fall, dass im Take away mal drei Tueten Pommes gleichzeitig bestellt werden und dann der Stress ausbricht und so arbeiten sie dann eben den ganzen Tag und die halbe Nacht durch… Ich bin ein bisschen boese, das gebe ich zu, aber das ist eben alles echt nicht logisch!
Gestern haben wir mal wieder einen Ausflug nach Phalaborwa zum Shoppen gemacht. Hier gibt es eigentlich alles, was es zu Hause auch gibt, inkl. suuuuper kitschiger Weihnachtsgirlanden und Krimskrams, also da kann bei mir echt keine Weihnachtsstimmungs aufkommen!!! Aber ich habe nen tollen Lindt Schokonikilausi entdeckt, der wird an Weihnachten geschlachtet. Was hier ne echt dufte Sache ist, ist die Fahrt mit dem Minitaxi Wer sich schon in suedlandischen Gefielden aufgehalten hat, weiss wovon ich spreche. Da stellt man sich an die Strasse, zeigt in die Richtung, in die man fahren moechte und quetscht sich dann in ein volles Taxi. Auf der letzten Bank muessen immer 4 Personen sitzen, da hat man man nicht mal Platz zwischen 3 weissen Wuerstchen, geschweige denn, wenn sich big black Mama mit einem riesen Sack gruenem Gemuese neben dich setzt, das sie auf dem Markt, wahlweise auch mal unterwegs im Taxi oder bei jedem Zwischenstopp, verkaufen moechte Gestern haben sie beim Umsteigen ein kleines Tourispielchen mit uns gespielt: Manche Taxis fahren durch andere nicht. Wir sassen in einem “andere nicht”, sprinteten wie alle anderen zum Umsteigen zum naechsten Knattergefaehrt. War allerdings schon voll! Also meinte unser erster Taxifahrer, er wuerde doch weiterfahren. Wir zu sechst also wieder rein in die Kiste. Dann kam ein anderer Taxifahrer, um uns abzuwerben, denn die Taxis fahren immer nur voll los und bei ihm sassen schon eingige drinnen. Wir also wieder raus und rein ins naechste Taxi. War aber noch nicht voll genug und so wies uns ein –ich nenne ihn mal “Organisator des Taxistandes” ein anderes Taxi zu. Wir also…. nein, meinte der Taxifahrer jedoch, er fahre erst mal nicht… Wir also wieder zurueck zum vorherigen Taxi, das mittlerweile noch genau 6 Plaetze hatte und dann gings endlich los) Wir haben uns irgendwann echt nur noch totgelacht. Das waere ein super Video fuer die Versteckte Tourikamera geworden
Am Abend gabs dann mal wieder (wie mittlerweile jedes Wochenende) ne Party in unserer Lapa (Bar). Nicht, dass sich viele Menschen fuer diese Partys interessieren wuerden… das heisst einfach nur, dass sich ein toller DJ in die Lapa setzt und fuer eine Hand voll Menschen uns Residents das halbe Wochenende mit unendlich lauter Musik beschallt. Wir haben schon versucht, Freigetraenke wegen Ruhestoerung am Urlaubsort rauszuschlagen, waren allerdings leider nicht erfolgreich. Und so sassen wir dann gestern mit unseren selbstfinanzierten Getraenken da. Ich habe mich noch niemals so guenstig betrunken Hier kannst du nen Abend locker mit 30 Rand (ca. 3 Euro) bestreiten, dann hast du aber echt verdammt viel getrunken!! Gestern waren auch mal ein paar Maedels da!! Echt klasse, denn eigentlich ist weggehen Maennersache. Da die aber gestern ihre Girlfriends mitgebracht hatten, war das ne echt tolle und interessante Sache.
Und nun ist das Wochenende auch schon wieder vorbei… Ich werde mich nun auf den Weg zum Shelter machen, um ganz Foodmanagementlike das Essen fuer morgen zu richten Es gibt mal wieder Elefant! Der stinkt immer schrecklich beim Kochen, aber der muss weg Der gute wurde vor paar Wochen erlegt, da er aus dem Krueger Nationalpark ausgebrochen war und nun liegt er zerlegt in unserer Gefriertruhe. In Abwechslung zum Elefanten gibts immer mal wieder Huehnerfuesse. Stinkt nicht, sieht aber in ner schoenen Rahmsosse auch verdammt unappetitlich aus!!! Gluecklicherweise ist unser Essen im Basambilu auf Europaeer ausgerichtet, sonst muesste ich vermutlich verhungern!!
Ich schicke Euch allen ganz liebe Gruesse!
Steffi
6.11.06 13:51


Schlangenalarm

Ich hatte meine erste Begegnung mit einer Schlange!! Ich habe es ueberlebt, sie nicht Es handelte sich naemlich um eine Wegelagererschlange. Sprich sie lag tagelang am Strassenrand und taeglich bin ich unendlich erschrocken, weil ich irgendwie immer an der selben Stelle der Strasse rauskam und innerlich schrie “scheisse eine Schlange!” God knows, auf was das Tier die ganze Zeit dort gewartet hat. Jedenfalls ist es wie im Leben… man sollte niemals zu lange warten! Heute morgen fand ich sie ueberfahren am Strassenrand
Heute nur ein kurzer Gruss in die Heimat, denn nun warten auch schon meine suessen Kiddis auf mich – “Stephaaaan, me education???” – “Yes guys!”
Macht es gut – und immer schoen warm halten))))
Eure Steffi
8.11.06 08:51


Bilder:)

Nun hab ich gedacht, ich kann Euch endlich mal ein paar pictures liefern. Da ich aber nun doch noch nicht so das Handling habe, muss ich erst mal noch den PC-Fachmann meines Vertrauens fragen, dann krieg ich das irgendwie hin
Vorerst gibts aber immerhin schon mal unter "Bilder" ein (!) Bild *echt super*. Ihr koennt dort meine Haupt-Wirkungsstaette sehen: das shelter.

Liebe Gruesse
Eurer Steffi
8.11.06 16:12


Jetzt aber!

Dann werde ich meiner Africa-Queen doch ein bißchen aushelfen
Also das erste Bild, ist jetzt aufrufbar (links in rot).
Bin selbst schon sehr gespannt auf die folgenden und sicher gibt es die nächsten Tage ein schönes Fotoalbum *freude*.
Viele Grüße, der Daheim-Gebliebene (Thorsten)...
8.11.06 21:23


Aloah!
Es ist mal wieder Sonntag und es ist mir doch glatt gelungen, mich aus der Haengematte zu staemmen, um Euch ein paar warme Gruesse zu schicken)
So langsam tritt auch hier in Afrika der Alltag ein. Alles hat seinen Gang (wenn auch einen sehr langsamen) eingenommen. Was man hier definitiv lernt oder lernen muss (ich hab mich noch nicht wirklich damit abgefunden), ist geduldig zu werden und mit dem Defizit zu leben. Ich freue mich jetzt schon, wieder zu Hause zu sein und am reichen Luxus Deutschlands teil zu haben, aber hier sind die Dinge erst mal wie sie eben sind. Interessant ist ja, welche Kreativitaet man hier an den Tag legt, um aus nix was zu machen. Improvisation ist das Gebot der Stunde, da es erstens kein Geld gibt, um irgendwas zu kaufen und zweitens, selbst wenn es das Geld gaebe, so lange Wege zurueck zu legen sind, bis man mal was woher gekarrt hat, dass man das Zeug dann auch nciht mehr braucht! Im Kleinen beginnt das hiermit, dass die Kinder im Shelter den ganzen Tag Plastiktueten klein kauen, denn Kaugimmis gibts nicht. Schuhe werde in der Regel vorne aufgeschnitten, wenn sie zu klein sind, wahlweise laeuft man barfuss, die Hornhaut waechst mit...
Kind in Afrika zu sein bedeutet ohnehin etwas ganz anderes, als Kind in Europa zu sein. Kinder gibt es hier reichlich und die haben mitzulaufen. Da wird kein Gedoens um irgendwas gemacht. Es zaehlt allein das Ueberleben. Keine Spur von Entwicklungsplaenen, regelmaessigen Untersuchungen, Therapie, Foerderung... o.ae. Schnickschnack. Letztens blieb mir fast das Herz stehen, als die Hausmutter unseren kleinen Mandla auf dem Sofa abgesetzt hat (der ist ca. 9 Monate alt) und da sass er dann. Irgendwann kam mal die kleine Niheleti (ca.3 Jahre) und hat Mandla rumgeschleift. Aber ansonsten ist hier jedes Kind sich selbst ueberlassen. Es gibt so gut wie kein Spielzeug, was auch mit der Tatsache in Verbindung steht, dass sie keine Ahnung haben, was man mit dem Zeug anfangen soll und dann ist das alles auch innerhalb kuerzester Zeit komplett geschrottet. Wenn wir Studenten den Kids nichts anbieten, passiert auch nichts. Mit Kindern spielen ist eine europaeische Idee. Und viele freie Angebote, die ich mir fuer den Unterricht ausdenke, sind i.d.R. mit jeder menge Chaos verbunden. Hier gibt es ein ueberautoritaeres Schulsystem, Freiheit muss man lernen!! Dafuer sieht man hier aber auch schrecklich verwahrloste, verschreckte, traumatisierte Kinder. Tracy aus meiner Klasse wuerde ich als autistisch bezeichnen. Wenn ich das Arbeitsbaltt nicht in der Weise auf den Tisch lege, wie sie sich das vorstellt, ist die Stunde gelaufen. Und wenn sie mal was macht, dann ist sie ueberwiegend mit radieren beschaeftigt, weil die Buchstaben nicht so aussehen, wie sie es moechte... Aber wen interessiert's? Und ich habe noch Zwillinge in der Klasse, die im Shelter leben, da gilt die absolute Hackordnung. Die sind so fies, wenn Du da einen Moment nicht guckst, haben sie dem Nachbarkind eins ueber die Ruebe gezogen, weil sie deren leistift wollen. Und letztens kam nachts in einer Nacht- und Nebelaktion eine Mutter mit zwei kleinen Kindern, der Vater war lange schwer gewalttaetig und hatte schlussendlich versucht alle umzubringen. ...und ein Kind von der Strasse. Da sassen sie nun diese verschreckten Wuerstchen: aus den schlimmsten Erfahrungen und Bedrohungen heraus an einen Ort, der ihnen fremd ist, zu Menschen, deren Sprache sie nicht verstehen, mal abgesehen von den anderen Kindern und den Hausmuettern. Heute noch schaut mich der kleine sommersprossig suesse Silus tieftraurig, total verschreckt und hoch verunsichert an und kalmmert sich an mcih, als gaebe es kein Morgen. Aber sie sind nun in Sicherheit. Und das ist auch das einzige, was hier passiert. Schutz schaffen, aufnehmen, mit Essen versorgen. Und das alleine ist hier schon der Himmel auf Erden fuer viele!
Diese Erfahrungen gelten jedoch fuer die Schwarzen. Den reichen Schwarzen und den Weissen geht es schon ganz anders. Aber die sehe ich bisher nur beim einkaufen in der Stadt...
Was mir hier zunehmend bewusst wird, ist die grosse Einschraenkung, in der wir leben. Thorsten fragte so schoen, wer denn eigentlich im Ghetto lebt, wir Weissen hinter unseren Mauern, beschuetzt von einem Wachmann oder die Schwarzen in ihrem Township. Als Weisser oder Europaeer bist Du hier unendlich reich. Das Zeug ist alles so unglaublich billig fuer unsere Verhaeltnisse, dass ich mich extrem beherrschen muss, nicht mit doppelt so viel Gepaeck nach Hause zu reisen wie ich gekommen bin. Aber was bringt dieser Reichtum? Abends kannst du nicht raus hier, zumindest nicht ohne "Bodyguard" und auch am Tag bist du immer davon bedroht beklaut zu werden. Wie gefaehrlich das hier wirklich ist, kann man sich gar nicht wirklich ausmalen. Und ich will's auch gar nicht so genau wissen. Du musst hier einfach damit leben, dass du ein potentielles Opfer bist, wenn du ein bisschen Kohle hast. Fuehle dich nie sicher, denn Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Die Polizei ist korrupt bis zum Anschlag. Ich waere mir nicht mal sicher, ob sie helfen wuerden, wenn du direkt vor der Polizeiwache vergewaltigt werden wuerdest! (Und dann sitzen hier wieder Leute im Gefaengnis, das uebrigens bei uns ums Eck liegt, die wegen illegalem Fischen, um ihre Familie zu ernaehren, verhaftet wurden. Was ist das fuer eine Welt???) Reichtum ist eine nette Sache, du kannst hier der Koenig sein und das Leben geniessen. Aber viel wichtiger ist mir meine Freiheit und die hast du in einem solchen Land nicht. Da lobe ich mir echt Deutschland!! Als ich letztens total viel Geld von der Bank ums Eck abgehoben habe (2000 Rand!!!! gerade mal 200 Euro) bin ich hinterher echt paranoid und leicht panisch die 200 m nach Hause gespurtet. Ich war der festen Ueberzeugung, dass die mir an der Nasenspitze ansehen, was ich in der Tasche habe. Du zaehlst das Geld am Automaten moeglichst nicht ab, denn es kann dich jeder beobachten, dass du Geld abhebst und dann gilt einfach nur nix wie weg. Wer wuerde sich in Deutschland sorgen um 200 Euro in der Tasche machen!!?
In diesem Sinne das Wort zum Sonntag: geniesst die Freiheiten Deutschlands!
Liebste Gruesse in die Heimat und ich vermisse das langsam beginnende Weihnachtsfeeling! Hier gibts nur Kitsch pur und zusammenschraubbare Plastikweihnachtsbaeume, baeh! Kein Weihnachtsmarkt, kein Gluehwein(
Eure Steffi
12.11.06 14:18


kleines Gschmaeckle der afrikanischen Kultur

Hallo Ihr Lieben!
Eigentich wollte ich anders beginnen, aber leider hat mich heute nach einem wunderschoenen sonnigen und sportiven Jogging- und Schwimmstart die Realitaet Afrikas eingeholt: Joyce ist gestorben. Mitte 30, eine Tochter, ein Enkelkind. In Deutschland und Europa sterben die Menschen an Krebs und Herzinfakt, in Afrika an AIDS. Es ist die hiesige Realitaet, aber in der Haeufigkeit, in der es geschieht, sehr grausam. Das Ganze nimmt dann auch sehr groteske Formen an: Da kommt das Bestattungsunternehmen angefahren, nimmt die Frau jedoch nicht mit bevor geklaert ist, wer die Bestattungskosten uebernimmt. Die Familie hat im Voraus alle Gelder, die es fuer Aidskranke vom Staat gibt, verbraten. Sie liessen die Frau dahinsiechen und haben das Geld fuer Medikamente lieber am Monatsanfang versoffen. Deshalb kam die Frau ins Shelter, aber mit einem HB von 5 ist die Sache dann eben auch ziemlich schnell beendet. Netterweise gibt es in Afrika eine Sterbeversicherung, die schlussendlich auch die Kosten uebernommen hat(inkl. Leichenschmaus nach der Beerdigung), weswegen die Leiche dann auch irgendwann abtransportiert werden konnte. Und nun beginnen die Reinungs- und Verbrennungsrituale der Afrikaner… Unsre Koechin Stefanie sagt zu allen Schrecklichkeiten dieses Landes und Lebens: “God has the answer of all our questions” und es kommt mir so vor, als wuerden die Afrikaner darueber hinaus wenig machen, zumindest die traditionell lebenden hier in Lulekani, die nehmen das Schicksal so hin und sitzen die Probleme aus, Gott wirds evtl. schon richten. Wenn das die Erkenntnis aus der Missionierung ist, dann hat die Kirche hier verdammt was falsch gemacht!

Kompletter Themenwechsel: Meine eigene Erkenntnis des Wochenendes war eigentlich, dass ich den ploetzlichen Flash hatte, hier endlich angekommen zu sein! Und seit dem kann ich urploetzlich die, nennen wir es netterweise, Gemuetlichkeit der Menschen und das Nichtstun recht gut ertragen. Weiterhin gehe ich allmorgendlich bei 27 Grad Lufttemperatur um 6 Uhr joggen und vergnuege mich danach im Swimmingpool – so viel Europa muss sein. Und ich bin durchaus recht gut ausgefuellt mit Unterricht, Buerodienst, Oeffentlichkeitsarbeit, neudings uebernehme ich die Buchhaltung des Shelters und Teile des Tourismusprojekts, in dem wir versuchen, im Shelter und einer befreundeten Naeherei produzierte Dinge an den Touri zu kriegen, um Gelder fuer LekaGape locker zu machen. Aber auch wenn sich das jetzt nach viiel Arbeit anhoert… wie gesagt, in Afrika mahlen die Muehlen ueberaus langsam und so mache auch ich mir mit der Sache keinen Stress. Hier gelten die Motti: “komm ich heut nicht, komm ich vielleicht evtl., wenn’s klappt und ich grade Lust und Zeit dazu habe und noch ins Minitaxi passe morgen:-)” (alles natuerlich immer mit einem unbestechlichen Laecheln auf den Lippen und um keine Ausrede verlegen *das kann ich blendend*) und Motto Nr.2 “ Was nicht passt, wird passend gemacht!” Dies gilt v.a. fuer die Buchhaltung) Die muss zwar auch an den Weltfriedensdienst, aber es gibt keinerlei Angaben ueber den Kassenstand, dann kann man auch nicht pruefen, ob das Ding stimmt, lediglich ausgehaendigtes Geld und Belege muessen uebereinstimmen:-) Ist das keine dufte Sache?! Da schlaegt zwar jeder Buchhalter, der seine Arbeit auch nur ansatzweise ernst nimmt ,die Haende ueber dem Kopf zusammen, aber das ist Afrika! (An dieser Stelle ganz liebe Gruesse an Daniela:-))
Hier in Afrika gelten echt ganz eigene Regeln und ich kann das, was ich hier erlebe, mit nichts vergleichen, was ich kenne. Es ist ein ganz anderes Leben und das sage ich allein schon mit dem kleinen Einblick, den ich bisher habe. Aber diese Kultur laesst sich nicht mit europaeischen Augen verstehen. Es gibt da den schoenen indianischen Spruch, dass man jemanden nur verstehen kann, wenn man einen Tag in seinen Schuhen unterwegs war. Und so sehe ich das auch hier. Du musst alles, was du weisst erst mal zu Hause lassen und mit afrikanischen Augen betrachten… Nicht dass mir das bisher gelungen waere, aber dazu braucht es auch sicherlich viel mehr Zeit als ich hier habe. Und so spannend ich das hier alles finde, ich moechte nicht so lange bleiben, dass ich das wirklich herausfinden koennte. Also bin ich ein bisschen Urlauber, ein bisschen Zuschauer und ein bisschen Teilnehmer des afrikanischen Spektakels und wundere mich ueber afrikanische Eigenheiten und die Afrikaner wundern sich weiterhin zahlreich ueber uns Molungus.
Ein kleines Gschmaekle:
1) Afrikaner, haben eine groessere Buerokratie als die Deutschen, wer haette das gedacht!!! Einziges Problem: fuer jeden gilt ne andere Buerokratie, und “schmierigen” Typen flutschen recht leicht durchs System und erreichen, was sie wollen.
2) Irgendwelche Auskuenfte erhaelst Du nur, wenn Du einen auf “big business” machst und immer was groesseres raushaengen laesst, als du bist. Unglaublich gut fuers Selbstbewusstsein Jeder Vogel, der irgendwas arbeitet, ist hier sofort ein Manager!! Wichtig, wichtig!! – hierbei ist unser neuer Manager lobend zu erwaehnen!! Das halbe Hemd (ehemaliger Fliegengewichtboxmeister Sued Afrikas), das sich bisher Manager von Basambilu genannt hat, wird seit neustem von einem neuen Peter-Manager gejoint. und das ist ne echt dufte Sachen, weil hier naemlich seitdem Europa, sprich Konkurrenz, Einzug haelt. Weil Peter ein echtes Schafferle ist und er Dinge ploetzlich moeglich macht, die vorher unmoeglich erschienen, kommt der gute Blessing echt unter Leistungsdruck und ploetzlich wird aus dem Backpacker Basambilu gaaaaanz allmaehlich ein Urlaubsoertlein mit Charme und Sicherheit (siehe beispielsweise die Gitter an unseren Huettenfenstern:-)
3) Eine sehr effektive Sache ist das hiesige Reinigunssystem;-) Wie reinige ich einen Boden, der nicht zu reinigen ist? Sprich, es gibt hier nur wenige geteerte Strassen, der Rest ist festgestampfter Dreck und Staub. Dennoch kehrt ein Afrikaner in guter schwaebischer Manier taeglich seinen Boden um die Huette mit einem tollen Reisigbesen, i.d.R. handelt es sich dabei jedoch eher um die Aufwirbelung von Staub…
4) Der deutsche Arbeitsminister sollte sich ein Beispiel an afrikanischer Besschaeftigungspolitik nehmen:-) Eigentlich duerfte es keine Arbeitslosen geben, so viele Menschen wie hier fuer alles Moegliche eingestellt sind. Z.B. gibt es da den Menschen am Supermarktausgang (bis zum heutigen Tag ist mir die Sinnhaftigkeit seiner Existenz ein Raetsel…). Er schaut beim Hinausgehen auf den Kassenzettel und setzt seinen Sevus drunter. “Warum denn eigentlich?” fragte ich beim letzten Einkauf und erhielt die ueberaus logische Antwort, dass er dazu da sei, die Uhrzeit auf dem Kassenzettel zu pruefen. Aaaah!!!! Wenn er dann auch noch pruefen wuerde, ob ich was geklaut haette, wuerde das ja irgendeinen Sinn machen, aber so??? Genauso sind am Ein- und Ausgang des Krankenhauses mind. 5 Securities angestellt, die die Taschen zu kontrollieren haben. Das machen sie auch irgendwie. Allerdings faellt ihnen dann auch nicht auf, dass ich ne Kamera dabei hab, was in oeffentlichen Gebaeuden verboten ist (was ich natuerlich erst hinterher erfahren habe;-), obwohl das teure Stueck oben auf liegt… Da die 10 Putzfrauen, die in Basambilu angestellt sind, (es gleichzeitig aber immer dreckig ist) einfach zu wenig zu tun haben, wird jetzt zwei mal pro Woche unser Bettbezug gewechselt (so hauefig passierte das nicht im letzten Jahr…) Nun gut, man koennte hier auch ne Effektivitaet der Arbeit einfuehren, aber dann haetten die guten Menschen ja niemanden mehr zum Palavern… Und der Afrikaner ist sehr kommunikativ. Wahrscheinlich wuerde es ihm das Herz brechen…
5) Eine ganz tolle Sache finde ich auch das “Desaster Management Center Phalaborwa” schraeg bei uns gegenueber. Da die Tueren eigentlich meistens geschlossen sind, kann das mit Afrika eigentlich alles nur halb so dramatisch sein;-)
Ich weiss, dass sich diese Beschreibung liesst wie jene, dass Bayern nur Weisswurst essen, aber an jeder Verallgemeinerung ist ja bekanntlich ein wahrer Funken…

In diesem Sinne…
Liebe Gruesse in die Heimat
Eure mehr und mehr relaxte Steffi:-))
15.11.06 16:33


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