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Malariaattacke!!!

Ein groteskes Trauerspiel in vier Akten (mit laechelndem Ausgang:-)

Ausganssituation: Gestern war ich der festen Ueberzeugung, bzw. haben mich diverse Meinungen davon ueberzeugt, dass ich Malaria haben koennte!!
Am Abend zuvor hatte ich von der einen zur naechsten Minute einen echten Totalausfall: rasende Kopfschmerzen, Gliederschmerzen von der Haarspitze bis zum kleinen Zeh und Frieren und Schwitzen im Wechsel. Shit happens… Ich hab mich ins Bett gelegt und verzweifelt auf den Moment gewartet, zu dem es wieder besser wird. Allerdings wurde nix besser. Ich war allerdings auch unfaehig meinen Muskeln irgend einen Befehl zur Bewegung zu geben. So lag ich da wie ein Kaeferchen auf dem Ruecken, bis gluecklicherweise irgendwann eine nette Mitbewohnerin meiner Huette kam und mir ein Tablettchen Ibuprofen einfloeste. Daraufhin fiel ich in seeligen Schlaf und am naechsten Tag war ich immerhin soweit hergestellt, dass ich mich wieder bewegen konnte. Fit ist allerdings was anderes…
Nach Einholung diverser Meinungen, was dies wohl gewesen sein koennte (von einheimischer, ueber Leihen- bis hin zu medizinstudentischer Meinung), kamen wir zu dem Ergebnis, dass es alle Anzeichen von Malaria seien!! (Ich erinnere mich da an div. Psychiatrievorlesungen, an deren Ende auch regelmaessig die Erkenntnis stand, dass wir eindeutige Anzeichen div. Erkrankungen mitbrachten;-) Ich also Kofferchen gepackt und ab ins Health Centre, das sich gluecklicherweise gerade die Strasse runter befindet.
Und hier begann das eigentliche Schauspiel:
1.Akt: Mittlerweile fuehlte ich mich wieder richtig schlecht – schliesslich hatte ich akuten Verdacht auf Malaria!!!!! Aber erstmal musste ich bei der Wache am Eingang meinen Namen niederschreiben und erklaeren, warum ich da sei… “Malaria!!! Ich muss dringend zu nem Doktor” “Doktor??? Ist heute keiner da” Na klasse, irgendwer wird schon diesen Schnelltest machen koennen…
2. Akt: Die naechste Station war eine Art Rezeption, wo ein Mann saemtliche meiner Daten aufgenommen hat und schliesslich eine Nummer auf einen Pappkarton geschrieben hat, den ich nun immer mitbringen muss, wenn ich wiederkomme. Dies ist naemlich meine Aktennummer (ich glaube schon einmal erwaehnt zu haben, dass Afrikaner sehr buerokratieliebend sind;-) Das Tempo, das der gute an den Tag legte, haette mich echt umbringen koennen, haette ich tatsaechlich Malaria gehabt…
3. Akt: Nach kurzem Warten rief mich eine maennliche Krankenschwester in ein kleines Kabuff, um meinen Blutdruck zu messen und mich zu wiegen. Vor der Prozedur fragte er mich, weshalb ich denn da sei. Kaum hatte ich den Mund geoeffnet, schrie er auch schon lautstark nach draussen (Unterhaltung nennt man das in Afrika) und machte erst mal ein paar Spaesse mit einer anderen vorueberziehenden Krankenschwester. Waehrend ich endlich meine Leiden schildern konnte, grinste mich der Typ in einer Tour an, ich kam mir nicht sehr ernst genommen vor! Er erzaehlte mir dann auch noch, dass Malaria in Phalabora sehr weit verbreitet sei und man mich unverzueglich ins Hospital bringen muesse, wenn man mich positiv teste. Ob dies nun aber der Wahrheit entspricht, konnte ich seiner Gesichtsmimik nicht entlocken, schien mir aber heillos uebertrieben. Waehrend er meine Akte durchlass, stellte er fest, dass ich ja grade ums Eck wohne. Das sei doch eine gute Gelegenheit sich mal zu treffen, meinte er. HALLO ICH HABE MALARIA, STERBE WAHRSCHEINLICH INNERHALB DER NAECHSTEN STUNDE DARAN!!!! Und dem Typ faellt nix besseres ein, als mich beim Blutdruckmessen (den er niemals gemessen und aufgeschrieben hat, weil er sich unmoeglich auf Sprechen und Zaehlen gleichzeitig konzentrieren kann!) anzumachen. Meine Antwort war dann auch entsprechend: “Ich kann momentan nur an dieses Ergebnis denken, und sicherlich an keine Verabredungen” Nach dem Wiegen (die Waage war auch so falsch wie sonst was!! Stand schon vorher auf 2 Kilo und im Gesamtergebnis hab ich nieeeemals 5 Kilo in den letzten 5 Wochen zugenommen, dazu passen mir meine Klamotten viel zu gut! Soviel zum regelmaessigen Wiegen von Kindern in Krankenhaeusern Afrikas zur Vorsorge und Kontrolle, dass ich nicht lache), jedenfalls fragte der Typ nach dem Wiegen schon wieder nach einem Treffen und ob er denn nun endlich mal eine Antwort von mir erhalten koennte. “Mein Freund aus Deutschland kommt in 2 Tagen, ist das eine Antwort?” Und was sagt der gute Mann daraufhin?! “Oh, dann muessen wir uns aber noch zuvor treffen! Wann hast Du denn Zeit?” HAT MAN DA NOCH WORTE???
4.Akt: Ich hab mich daraufhin jedenfalls aus dem Staub gemacht und die Bitte ignoriert, doch nach dem Test nur fuer 5 Minuten nochmal in seinem Kabuff vorbei zu schauen. Die naechste Krankenschwester erwartete mich bereits ein paar Tueren weiter. Immerhin sah ich, dass sie frisch eine Kanuele auspackte. So weit, so gut…die flog daraufhin allerdings auf die blutverschmierte und sonstwie versiffte Liege (gluecklicherweise ueberlebt HIV nicht an der Luft…), dann trug sie das Desinfektionslaeppchen noch ne ½ Stunde durch die Gegend, bis wahrscheinlich saemtliches Desinfektionsmittel verdampft war und dann nahm sie mir endlich mal Blut ab! Ergebnis: Herzlichen Glueckwunsch, sie haben keine Malaria!!! Na wer sagts denn:-)) Aber was koennte es dann sein?? Das wisse sie nun auch nicht, aber ich koennte gerne zwei Tueren weiter gehen, die koennten mir vielleicht weiter helfen. Ich habe dankend abgelehnt. Bei der Ernsthaftigkeit, mit der Medizin hier betrieben wird, kann ich dann auch zur Selbstmedikation uebergehen, hauptsache keine Malaria.

Liebste Gruesse
Eure Steffi
22.11.06 14:12


The Chickenhouse Project

Ein grosses HALLO nach Europa!
... und vielen Dank fuer die Entsendung Eures Wetters nach Suedafrika! Ich fuehle mich an diesem Wochenende sehr heimisch;-) Es regnet das komplette Wochenende, wir sind in dicke (so dick wie irgend dabei;-) Jacken eingewickelt, muessen geschlossene Schuhe tragen... Und was macht man an so nem verregneten Wochenende? Lange schlafen!! (Endlich mal schlafen, weil es kuehler als 30 Grad in der Huette ist, yeah!) Gemuetlich fruehstuecken und dann weiter auf Europa machen: Spaziergang durch Lulekani und Kaeffchen und Kuchen am Nachmittag:-) Very nice! Schon ein bisschen verrueckt, wie sehr ich mich hier ueber schlechtes Wetter freue...
Der einzige Nachteil des endlich mal eingetretenen Regens: Unser Chickenhouse kann nicht fertig gebaut werden... Und dazu gibt es eine echt verrueckte Geschichte:
Einige Students hatten ein Chickenhouse-Project geplant, damit unsere Kiddis mal was anderes essen koennen wie Elefant:-) und damit wir Eier haben, die hier verhaeltnismaessig teuer sind. Ein Schreiner, der hier fuer ein Jahr ist, hat das ganze geplant, allein es fehlten uns die Gelder. So haben wir fleissig Donnationletters verfasst und Gelder beantragt... So ein Haeuslein kostet zwar nur etwa 300 Euro, aber das sind hier halt 3000 Rand und das kann man vom Wert her schon in europaeische Verhaeltnisse umrechnen als waeren es 3000 Euro. Und dann kamen hier die Woche zwei weisse Typen an, sassen in unserer Bar rum und haben uns zwei Tage ziemlich doof angeschaut. Wir sie umgekehrt auch, denn Weisse verirren sich sehr selten nach Lulekani und die zwei sehen stark nach Marke Schwerverbrecher und potentielle Vergewaltiger aus. Irgendwann haben sie sich dann mal erkundigt, was hier eigentlich so viele Weisse machen, das Frauenhaus angeschaut und sich spontan von uns dazu ueberreden lassen, unser Chickenhouse zu bauen. Es stellte sich naemlich heraus, dass die zwei sowas wie ein Bauunternehmen haben, ueberall im Land Bankautomaten einbauen und super reich sind. Wie sehr man sich durch das Aeussere taeuschen lassen kann... Und da sie grade von ein paar Bankautomaten zurueckkamen, hatten sie noch Steine und Zement uebrig Und den Rest spendeten sie uns einfach: Steine, Holz, noch mehr Zement, Zaun, 4 Huehner und einen Hahn, damit sich die lieben auch zahlreich vermehren:-), und mal noch so 4 Arbeiter, die das ganze fuer uns bauen. Alles ganz easy und kein Problem! Und weil sie schon mal da sind, haben sie uns auch taeglich zu saemtlichen Barrunden eingeladen, in die Stadt zum Essen, unseren dreiviertelsen Dankeschoen-Brai gezahlt, fuer uns gekocht etc. Das kann man gar nicht glauben, dass es sowas gibt. In Afrika gilt wohl die Devise, dass diejenigen, die Geld haben, denen helfen, die keines haben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Dafuer sollte der, der Hilfe erhalten hat, diese auch wieder an jemand anderen weitergeben, der Hilfe braucht. Die zwei bedankten sich auch in einer langen Rede (Afrikaner jeder Couleur lieben endlos lange Reden zu allen Gelegenheiten) bei uns. Ihre Motivation uns zu helfen sei, dass sie sich freuten, dass wir in ihr Land kommen, um ihren Landsleuten fuer nichts zu helfen, sogar noch Geld zu zaheln, um helfen zu koennen. Und das mindeste, was sie fuer uns tun koennten, waere eben ihre Hilfe und ihre Einladungen... Okay, da hab ich nix dagegen)
So viel von hier und heute:-)
Ganz liebe Gruesse nach Hause
Steffi
19.11.06 14:36


kleines Gschmaeckle der afrikanischen Kultur

Hallo Ihr Lieben!
Eigentich wollte ich anders beginnen, aber leider hat mich heute nach einem wunderschoenen sonnigen und sportiven Jogging- und Schwimmstart die Realitaet Afrikas eingeholt: Joyce ist gestorben. Mitte 30, eine Tochter, ein Enkelkind. In Deutschland und Europa sterben die Menschen an Krebs und Herzinfakt, in Afrika an AIDS. Es ist die hiesige Realitaet, aber in der Haeufigkeit, in der es geschieht, sehr grausam. Das Ganze nimmt dann auch sehr groteske Formen an: Da kommt das Bestattungsunternehmen angefahren, nimmt die Frau jedoch nicht mit bevor geklaert ist, wer die Bestattungskosten uebernimmt. Die Familie hat im Voraus alle Gelder, die es fuer Aidskranke vom Staat gibt, verbraten. Sie liessen die Frau dahinsiechen und haben das Geld fuer Medikamente lieber am Monatsanfang versoffen. Deshalb kam die Frau ins Shelter, aber mit einem HB von 5 ist die Sache dann eben auch ziemlich schnell beendet. Netterweise gibt es in Afrika eine Sterbeversicherung, die schlussendlich auch die Kosten uebernommen hat(inkl. Leichenschmaus nach der Beerdigung), weswegen die Leiche dann auch irgendwann abtransportiert werden konnte. Und nun beginnen die Reinungs- und Verbrennungsrituale der Afrikaner… Unsre Koechin Stefanie sagt zu allen Schrecklichkeiten dieses Landes und Lebens: “God has the answer of all our questions” und es kommt mir so vor, als wuerden die Afrikaner darueber hinaus wenig machen, zumindest die traditionell lebenden hier in Lulekani, die nehmen das Schicksal so hin und sitzen die Probleme aus, Gott wirds evtl. schon richten. Wenn das die Erkenntnis aus der Missionierung ist, dann hat die Kirche hier verdammt was falsch gemacht!

Kompletter Themenwechsel: Meine eigene Erkenntnis des Wochenendes war eigentlich, dass ich den ploetzlichen Flash hatte, hier endlich angekommen zu sein! Und seit dem kann ich urploetzlich die, nennen wir es netterweise, Gemuetlichkeit der Menschen und das Nichtstun recht gut ertragen. Weiterhin gehe ich allmorgendlich bei 27 Grad Lufttemperatur um 6 Uhr joggen und vergnuege mich danach im Swimmingpool – so viel Europa muss sein. Und ich bin durchaus recht gut ausgefuellt mit Unterricht, Buerodienst, Oeffentlichkeitsarbeit, neudings uebernehme ich die Buchhaltung des Shelters und Teile des Tourismusprojekts, in dem wir versuchen, im Shelter und einer befreundeten Naeherei produzierte Dinge an den Touri zu kriegen, um Gelder fuer LekaGape locker zu machen. Aber auch wenn sich das jetzt nach viiel Arbeit anhoert… wie gesagt, in Afrika mahlen die Muehlen ueberaus langsam und so mache auch ich mir mit der Sache keinen Stress. Hier gelten die Motti: “komm ich heut nicht, komm ich vielleicht evtl., wenn’s klappt und ich grade Lust und Zeit dazu habe und noch ins Minitaxi passe morgen:-)” (alles natuerlich immer mit einem unbestechlichen Laecheln auf den Lippen und um keine Ausrede verlegen *das kann ich blendend*) und Motto Nr.2 “ Was nicht passt, wird passend gemacht!” Dies gilt v.a. fuer die Buchhaltung) Die muss zwar auch an den Weltfriedensdienst, aber es gibt keinerlei Angaben ueber den Kassenstand, dann kann man auch nicht pruefen, ob das Ding stimmt, lediglich ausgehaendigtes Geld und Belege muessen uebereinstimmen:-) Ist das keine dufte Sache?! Da schlaegt zwar jeder Buchhalter, der seine Arbeit auch nur ansatzweise ernst nimmt ,die Haende ueber dem Kopf zusammen, aber das ist Afrika! (An dieser Stelle ganz liebe Gruesse an Daniela:-))
Hier in Afrika gelten echt ganz eigene Regeln und ich kann das, was ich hier erlebe, mit nichts vergleichen, was ich kenne. Es ist ein ganz anderes Leben und das sage ich allein schon mit dem kleinen Einblick, den ich bisher habe. Aber diese Kultur laesst sich nicht mit europaeischen Augen verstehen. Es gibt da den schoenen indianischen Spruch, dass man jemanden nur verstehen kann, wenn man einen Tag in seinen Schuhen unterwegs war. Und so sehe ich das auch hier. Du musst alles, was du weisst erst mal zu Hause lassen und mit afrikanischen Augen betrachten… Nicht dass mir das bisher gelungen waere, aber dazu braucht es auch sicherlich viel mehr Zeit als ich hier habe. Und so spannend ich das hier alles finde, ich moechte nicht so lange bleiben, dass ich das wirklich herausfinden koennte. Also bin ich ein bisschen Urlauber, ein bisschen Zuschauer und ein bisschen Teilnehmer des afrikanischen Spektakels und wundere mich ueber afrikanische Eigenheiten und die Afrikaner wundern sich weiterhin zahlreich ueber uns Molungus.
Ein kleines Gschmaekle:
1) Afrikaner, haben eine groessere Buerokratie als die Deutschen, wer haette das gedacht!!! Einziges Problem: fuer jeden gilt ne andere Buerokratie, und “schmierigen” Typen flutschen recht leicht durchs System und erreichen, was sie wollen.
2) Irgendwelche Auskuenfte erhaelst Du nur, wenn Du einen auf “big business” machst und immer was groesseres raushaengen laesst, als du bist. Unglaublich gut fuers Selbstbewusstsein Jeder Vogel, der irgendwas arbeitet, ist hier sofort ein Manager!! Wichtig, wichtig!! – hierbei ist unser neuer Manager lobend zu erwaehnen!! Das halbe Hemd (ehemaliger Fliegengewichtboxmeister Sued Afrikas), das sich bisher Manager von Basambilu genannt hat, wird seit neustem von einem neuen Peter-Manager gejoint. und das ist ne echt dufte Sachen, weil hier naemlich seitdem Europa, sprich Konkurrenz, Einzug haelt. Weil Peter ein echtes Schafferle ist und er Dinge ploetzlich moeglich macht, die vorher unmoeglich erschienen, kommt der gute Blessing echt unter Leistungsdruck und ploetzlich wird aus dem Backpacker Basambilu gaaaaanz allmaehlich ein Urlaubsoertlein mit Charme und Sicherheit (siehe beispielsweise die Gitter an unseren Huettenfenstern:-)
3) Eine sehr effektive Sache ist das hiesige Reinigunssystem;-) Wie reinige ich einen Boden, der nicht zu reinigen ist? Sprich, es gibt hier nur wenige geteerte Strassen, der Rest ist festgestampfter Dreck und Staub. Dennoch kehrt ein Afrikaner in guter schwaebischer Manier taeglich seinen Boden um die Huette mit einem tollen Reisigbesen, i.d.R. handelt es sich dabei jedoch eher um die Aufwirbelung von Staub…
4) Der deutsche Arbeitsminister sollte sich ein Beispiel an afrikanischer Besschaeftigungspolitik nehmen:-) Eigentlich duerfte es keine Arbeitslosen geben, so viele Menschen wie hier fuer alles Moegliche eingestellt sind. Z.B. gibt es da den Menschen am Supermarktausgang (bis zum heutigen Tag ist mir die Sinnhaftigkeit seiner Existenz ein Raetsel…). Er schaut beim Hinausgehen auf den Kassenzettel und setzt seinen Sevus drunter. “Warum denn eigentlich?” fragte ich beim letzten Einkauf und erhielt die ueberaus logische Antwort, dass er dazu da sei, die Uhrzeit auf dem Kassenzettel zu pruefen. Aaaah!!!! Wenn er dann auch noch pruefen wuerde, ob ich was geklaut haette, wuerde das ja irgendeinen Sinn machen, aber so??? Genauso sind am Ein- und Ausgang des Krankenhauses mind. 5 Securities angestellt, die die Taschen zu kontrollieren haben. Das machen sie auch irgendwie. Allerdings faellt ihnen dann auch nicht auf, dass ich ne Kamera dabei hab, was in oeffentlichen Gebaeuden verboten ist (was ich natuerlich erst hinterher erfahren habe;-), obwohl das teure Stueck oben auf liegt… Da die 10 Putzfrauen, die in Basambilu angestellt sind, (es gleichzeitig aber immer dreckig ist) einfach zu wenig zu tun haben, wird jetzt zwei mal pro Woche unser Bettbezug gewechselt (so hauefig passierte das nicht im letzten Jahr…) Nun gut, man koennte hier auch ne Effektivitaet der Arbeit einfuehren, aber dann haetten die guten Menschen ja niemanden mehr zum Palavern… Und der Afrikaner ist sehr kommunikativ. Wahrscheinlich wuerde es ihm das Herz brechen…
5) Eine ganz tolle Sache finde ich auch das “Desaster Management Center Phalaborwa” schraeg bei uns gegenueber. Da die Tueren eigentlich meistens geschlossen sind, kann das mit Afrika eigentlich alles nur halb so dramatisch sein;-)
Ich weiss, dass sich diese Beschreibung liesst wie jene, dass Bayern nur Weisswurst essen, aber an jeder Verallgemeinerung ist ja bekanntlich ein wahrer Funken…

In diesem Sinne…
Liebe Gruesse in die Heimat
Eure mehr und mehr relaxte Steffi:-))
15.11.06 16:33


Aloah!
Es ist mal wieder Sonntag und es ist mir doch glatt gelungen, mich aus der Haengematte zu staemmen, um Euch ein paar warme Gruesse zu schicken)
So langsam tritt auch hier in Afrika der Alltag ein. Alles hat seinen Gang (wenn auch einen sehr langsamen) eingenommen. Was man hier definitiv lernt oder lernen muss (ich hab mich noch nicht wirklich damit abgefunden), ist geduldig zu werden und mit dem Defizit zu leben. Ich freue mich jetzt schon, wieder zu Hause zu sein und am reichen Luxus Deutschlands teil zu haben, aber hier sind die Dinge erst mal wie sie eben sind. Interessant ist ja, welche Kreativitaet man hier an den Tag legt, um aus nix was zu machen. Improvisation ist das Gebot der Stunde, da es erstens kein Geld gibt, um irgendwas zu kaufen und zweitens, selbst wenn es das Geld gaebe, so lange Wege zurueck zu legen sind, bis man mal was woher gekarrt hat, dass man das Zeug dann auch nciht mehr braucht! Im Kleinen beginnt das hiermit, dass die Kinder im Shelter den ganzen Tag Plastiktueten klein kauen, denn Kaugimmis gibts nicht. Schuhe werde in der Regel vorne aufgeschnitten, wenn sie zu klein sind, wahlweise laeuft man barfuss, die Hornhaut waechst mit...
Kind in Afrika zu sein bedeutet ohnehin etwas ganz anderes, als Kind in Europa zu sein. Kinder gibt es hier reichlich und die haben mitzulaufen. Da wird kein Gedoens um irgendwas gemacht. Es zaehlt allein das Ueberleben. Keine Spur von Entwicklungsplaenen, regelmaessigen Untersuchungen, Therapie, Foerderung... o.ae. Schnickschnack. Letztens blieb mir fast das Herz stehen, als die Hausmutter unseren kleinen Mandla auf dem Sofa abgesetzt hat (der ist ca. 9 Monate alt) und da sass er dann. Irgendwann kam mal die kleine Niheleti (ca.3 Jahre) und hat Mandla rumgeschleift. Aber ansonsten ist hier jedes Kind sich selbst ueberlassen. Es gibt so gut wie kein Spielzeug, was auch mit der Tatsache in Verbindung steht, dass sie keine Ahnung haben, was man mit dem Zeug anfangen soll und dann ist das alles auch innerhalb kuerzester Zeit komplett geschrottet. Wenn wir Studenten den Kids nichts anbieten, passiert auch nichts. Mit Kindern spielen ist eine europaeische Idee. Und viele freie Angebote, die ich mir fuer den Unterricht ausdenke, sind i.d.R. mit jeder menge Chaos verbunden. Hier gibt es ein ueberautoritaeres Schulsystem, Freiheit muss man lernen!! Dafuer sieht man hier aber auch schrecklich verwahrloste, verschreckte, traumatisierte Kinder. Tracy aus meiner Klasse wuerde ich als autistisch bezeichnen. Wenn ich das Arbeitsbaltt nicht in der Weise auf den Tisch lege, wie sie sich das vorstellt, ist die Stunde gelaufen. Und wenn sie mal was macht, dann ist sie ueberwiegend mit radieren beschaeftigt, weil die Buchstaben nicht so aussehen, wie sie es moechte... Aber wen interessiert's? Und ich habe noch Zwillinge in der Klasse, die im Shelter leben, da gilt die absolute Hackordnung. Die sind so fies, wenn Du da einen Moment nicht guckst, haben sie dem Nachbarkind eins ueber die Ruebe gezogen, weil sie deren leistift wollen. Und letztens kam nachts in einer Nacht- und Nebelaktion eine Mutter mit zwei kleinen Kindern, der Vater war lange schwer gewalttaetig und hatte schlussendlich versucht alle umzubringen. ...und ein Kind von der Strasse. Da sassen sie nun diese verschreckten Wuerstchen: aus den schlimmsten Erfahrungen und Bedrohungen heraus an einen Ort, der ihnen fremd ist, zu Menschen, deren Sprache sie nicht verstehen, mal abgesehen von den anderen Kindern und den Hausmuettern. Heute noch schaut mich der kleine sommersprossig suesse Silus tieftraurig, total verschreckt und hoch verunsichert an und kalmmert sich an mcih, als gaebe es kein Morgen. Aber sie sind nun in Sicherheit. Und das ist auch das einzige, was hier passiert. Schutz schaffen, aufnehmen, mit Essen versorgen. Und das alleine ist hier schon der Himmel auf Erden fuer viele!
Diese Erfahrungen gelten jedoch fuer die Schwarzen. Den reichen Schwarzen und den Weissen geht es schon ganz anders. Aber die sehe ich bisher nur beim einkaufen in der Stadt...
Was mir hier zunehmend bewusst wird, ist die grosse Einschraenkung, in der wir leben. Thorsten fragte so schoen, wer denn eigentlich im Ghetto lebt, wir Weissen hinter unseren Mauern, beschuetzt von einem Wachmann oder die Schwarzen in ihrem Township. Als Weisser oder Europaeer bist Du hier unendlich reich. Das Zeug ist alles so unglaublich billig fuer unsere Verhaeltnisse, dass ich mich extrem beherrschen muss, nicht mit doppelt so viel Gepaeck nach Hause zu reisen wie ich gekommen bin. Aber was bringt dieser Reichtum? Abends kannst du nicht raus hier, zumindest nicht ohne "Bodyguard" und auch am Tag bist du immer davon bedroht beklaut zu werden. Wie gefaehrlich das hier wirklich ist, kann man sich gar nicht wirklich ausmalen. Und ich will's auch gar nicht so genau wissen. Du musst hier einfach damit leben, dass du ein potentielles Opfer bist, wenn du ein bisschen Kohle hast. Fuehle dich nie sicher, denn Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Die Polizei ist korrupt bis zum Anschlag. Ich waere mir nicht mal sicher, ob sie helfen wuerden, wenn du direkt vor der Polizeiwache vergewaltigt werden wuerdest! (Und dann sitzen hier wieder Leute im Gefaengnis, das uebrigens bei uns ums Eck liegt, die wegen illegalem Fischen, um ihre Familie zu ernaehren, verhaftet wurden. Was ist das fuer eine Welt???) Reichtum ist eine nette Sache, du kannst hier der Koenig sein und das Leben geniessen. Aber viel wichtiger ist mir meine Freiheit und die hast du in einem solchen Land nicht. Da lobe ich mir echt Deutschland!! Als ich letztens total viel Geld von der Bank ums Eck abgehoben habe (2000 Rand!!!! gerade mal 200 Euro) bin ich hinterher echt paranoid und leicht panisch die 200 m nach Hause gespurtet. Ich war der festen Ueberzeugung, dass die mir an der Nasenspitze ansehen, was ich in der Tasche habe. Du zaehlst das Geld am Automaten moeglichst nicht ab, denn es kann dich jeder beobachten, dass du Geld abhebst und dann gilt einfach nur nix wie weg. Wer wuerde sich in Deutschland sorgen um 200 Euro in der Tasche machen!!?
In diesem Sinne das Wort zum Sonntag: geniesst die Freiheiten Deutschlands!
Liebste Gruesse in die Heimat und ich vermisse das langsam beginnende Weihnachtsfeeling! Hier gibts nur Kitsch pur und zusammenschraubbare Plastikweihnachtsbaeume, baeh! Kein Weihnachtsmarkt, kein Gluehwein(
Eure Steffi
12.11.06 14:18


Jetzt aber!

Dann werde ich meiner Africa-Queen doch ein bißchen aushelfen
Also das erste Bild, ist jetzt aufrufbar (links in rot).
Bin selbst schon sehr gespannt auf die folgenden und sicher gibt es die nächsten Tage ein schönes Fotoalbum *freude*.
Viele Grüße, der Daheim-Gebliebene (Thorsten)...
8.11.06 21:23


Bilder:)

Nun hab ich gedacht, ich kann Euch endlich mal ein paar pictures liefern. Da ich aber nun doch noch nicht so das Handling habe, muss ich erst mal noch den PC-Fachmann meines Vertrauens fragen, dann krieg ich das irgendwie hin
Vorerst gibts aber immerhin schon mal unter "Bilder" ein (!) Bild *echt super*. Ihr koennt dort meine Haupt-Wirkungsstaette sehen: das shelter.

Liebe Gruesse
Eurer Steffi
8.11.06 16:12


Schlangenalarm

Ich hatte meine erste Begegnung mit einer Schlange!! Ich habe es ueberlebt, sie nicht Es handelte sich naemlich um eine Wegelagererschlange. Sprich sie lag tagelang am Strassenrand und taeglich bin ich unendlich erschrocken, weil ich irgendwie immer an der selben Stelle der Strasse rauskam und innerlich schrie “scheisse eine Schlange!” God knows, auf was das Tier die ganze Zeit dort gewartet hat. Jedenfalls ist es wie im Leben… man sollte niemals zu lange warten! Heute morgen fand ich sie ueberfahren am Strassenrand
Heute nur ein kurzer Gruss in die Heimat, denn nun warten auch schon meine suessen Kiddis auf mich – “Stephaaaan, me education???” – “Yes guys!”
Macht es gut – und immer schoen warm halten))))
Eure Steffi
8.11.06 08:51


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